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Doch plötzlich ......


 RRRRRRRRRRiiiiiiiiiiiiiinnnnnnnnnnnnnggggggggggggggg!




Um halb elf geschah etwas, dass nicht nur für diese Urzeit, sondern auch generell recht ungewöhnlich war: das Telefon klingelte.




 RRRRRRRRRRiiiiiiiiiiiiiinnnnnnnnnnnnnggggggggggggggg! 


(Für den geneigten Leser sei darauf hingewiesen, dass es sich hier - bei dieser story - um die Fortsetzung von "klaus"handelt)


Also:
Um halb elf geschah etwas, dass nicht nur für diese Urzeit, sondern auch generell recht
ungewöhnlich war: das Telefon klingelte.


Mühselig und unbeholfen schälte sich


Robert





aus der Decke, wobei, eigentlich fiel er eher aus dem Bett, kroch dann mitsamt seiner um sich geschlungenen Decke Richtung Telefon, riss dabei Flaschen und volle Aschenbecher um und verteilte das Tabak-Bier Gemisch wie ein überdimensionaler Pinsel über den ganzen Teppich. An der klingelnden Nervensäge angekommen, brachte er, beachtlich für diese Urzeit immerhin ein "Aaaaah...Hulluuuh...?" zustande, mehr gehaucht als gesprochen.
"Ach endlich kriege ich dich mal zu sprechen." Seine Mutter.
"Werisdenda...?" "Deine Mutter!" "Meinemutta...?" Seine Mutter.
Und nicht nur seine Mutter, denn sie war auch, und das ist bei vielen Studenten so, sein personifiziertes schlechtes Gewissen.
"Wieso bist du denn um diese Zeit nicht in der Uni?" Als Antwort gab er seinen Standartsatz, den er auch immer in Seminaren benutzte, wenn der Dozent ihn namentlich angesprochen hatte, in seine Richtung blickte und überhaupt kein, nicht der winzig-kleinste Zweifel bestehen konnte, dass er ihn, den Studenten Robert und keinen, keinen als ausgerechnet ihn und niemand anderen meinen konnte: "Wer, ich?"
"JA, DU! WAS MACHST DU DENN UM ELF UHR AN EINEM MONTAG MORGEN ZU HAUSE IN DEINER WOHNUNG?!" Die Worte schossen ihm wie Pfeile ins Gehirn und hämmerten von innen an seinen Schläfen. Das Gute für ihn war, durch jahrelanges Training, das schon in der Schule begann, wenn ihn ein Lehrer oder seine Mutter in der Stadt beim Blaumachen erwischte, musste er sein Gehirn nichtmal einschalten, um antworten zu können. Vielmehr saßen die Antworten auf bestimmte Standartfragen bei ihm tief unten im reptilen Stammhirn.
Die Antwort auf diese Frage beispielsweise war direkt neben dem Lidschlussreflex abgespeichert, der wiederum nur wenige Synapsen von der Antwort auf die Frage "Wieso kommen sie schon wieder zu spät?" gespeichert lag.
So schoss also die Antwort wie aus einer frisch geölten Pistole aus seinem Mund über eine lange Überlandleitung der aufgebrachten Mutter direkt ins Ohr: "Ist ausgefallen.", die zu seinem Pech die Antwort auf diese Antwort ebenfalls in ihrem Stammhirn abgelegt hatte und ihm reflexartig zurückgab: "Ach was, du hast bestimmt blau gemacht." Und wenige Millisekunden später fügte ihr Stammhirn , da es sich um ein Gespräch mit dem Sohn handelte, noch in einem neuronalen Sperrfeuer an: "Du bist wie dein Vater.", was sie, aus Ärger über den schon lange entschwundenen Vater prinzipiell an jedes Streitgespräch anfügte, das sie mit ihrem Sohn führte. Praeterea censeo Carthaginem esse delendam.


Natürlich lag es in der Natur der Sache, dass dieser ihm so häufig ins Gesicht geschmetterte Satz schon lange einen Weg in Roberts Instinktbereich gefunden hatte und er ihr ebenso schnell entgegen schmetterte: "Jaja.", eine alternative Artikulierung des Götzschen Spruches.
So schleppte sich dieses Gespräch also über Minuten fort, ohne dass auch nur eine der beiden Parteien ihr Großhirn hätte einschalten müssen. Ein Wort folgte dem nächsten, und auf die entsprechenden Reize folgte der dazugehörige Reflex. So endete das Gespräch schließlich mit "Also, ich guck mir dass nicht länger an, ich sage das deinem Onkel, der ist ja der Einzige, vor dem du noch Respekt hast." - was übrigens nicht stimmte, er fürchtete nämlich auch die Bildungsministerin und die Bedrohung durch ihr frankensteinsches Monster, die Studiengebühr- "Und dem werde ich erzählen, dass du überhaupt nichts machst aus deinem Leben...genau wie dein Vater!" "Jaja." Klick, tut-tut-tut, Stille.


Klaus, der Hamster ...






aber ...


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